Wassergewöhnung für Erwachsene

In diesem Artikel geht es darum, was du brauchst um Schwimmen zu lernen und wie du dich an das Wasser gewöhnen kannst. An das Wasser gewöhnen heißt vor allem, sich angstfrei darin aufhalten zu können.

Vorteil Thermalbad

Für die folgenden Übungen zur Wassergewöhnung empfehle ich einen Besuch in einem Thermalbad aus folgenden Gründen.

  • Öffnungszeiten Meistens haben solche Bäder lange Öffnungszeiten. So ist man flexibel und kann die gut besuchten Zeiten vermeiden.
  • Wassereigenschaften Therma- und/oder Solebäder haben einen Salzgehalt von ca. 3% und sind somit “tragfähiger” als Chlorwasser. Außerdem ist Salzwasser wesentlich angenehmer für die Haut und Schleimhäute. Gründliches Duschen (nachher UND vorher) ist genau wie bei Chlor ein Muss. Die Wassertemperatur ist meistens deutlich höher und somit angenehmer. Die Wassertiefe ist durchschnittlich mit 170cm gering.
  • Situation/Gäste Man wird kaum wasserballspielende Jugendliche dort antreffen die mit Anlauf vom Beckenrand springen ohne auf Menschen zu achten. Genau so wenig wird man dort Wasserrutschen vorfinden. Selbst wenn es mal voll ist, läuft es eher ruhiger und gesitteter ab. Was für die Übungen sinnvoll ist, kann später vielleicht langweilig werden. Aber zu Beginn ist es optimal.

Fünf Dinge die Dir helfen können

Bei allen Übungen zur Wassergewöhnung sollte das Wasser nicht höher als Brusthöhe sein. Eben damit man ständig ein sicheres Gefühl hat und man sich im Zweifelsfall nur aufrichten muss um Herr der Lage zu werden. Ich hatte ja erwähnt, dass man Erwachsenen manchmal eher mit rationalen Argumenten entgegnen kann. Das erste was du dir vor den Übungen klar machen solltest, sind folgende Punkte:

  1. Du wirst die Sache überleben, denn du brauchst dich nur hinzustellen um Herr der Lage zu werden.
  2. Du hast eine Vertrauensperson, die dich retten könnte. Das wird aber zu keiner Zeit notwendig sein.
  3. Du hast einen professionellen Bademeister vor Ort, der nicht nur schnell, sondern auch zuverlässig dir das Leben retten würde.
  4. Nochmal: Selbst wenn du unkontrolliert ins Wasser fallen würdest. Hinstellen. Fertig. Herr der Lage!
  5. Mantra: Du kannst nicht ertrinken!

Das zu verinnerlichen ist die Wassergewöhnung für Erwachsene. Es geht darum sich zunächst angstfrei im Wasser zu bewegen. Am Ende der Übungen wirst du vielleicht schon gleiten und damit kurze Distanzen überbrücken können.

Vier einfache Übungen zur Wassergewöhnung

WassergewöhnungGehen und Stehen

Da du überall im Wasser bequem stehen kannst, gehst du erst einmal spazieren. Sollte deine Angst sehr groß sein, bleibst du in Griffweite des Beckenrands. Allerdings haben nur extrem wenig Menschen so eine enorme Angst. Gehe also ruhig mitten ins Becken und wander etwas umher. Unterhalte dich mit deiner Vertrauensperson über andere Themen. Das wird so unauffällig sein wie ein Baum im Wald. Wenn dir das Wasser bis zur Brust reicht, gehe leicht in die Knie um den Wasserstand zu verändern. Wie fühlt es sich an wenn das Wasser bis zum Hals steht? Stell dich wieder hin. Du wirst feststellen, dass du dieses Situation absolut im Griff hast. Sobald du dich aufrichtest ragst du weit aus dem Wasser heraus.

Kopf unter Wasser

Es ist sehr von Vorteil sich sofort daran zu gewöhnen, dass der Kopf halt auch unter Wasser kommt. Schließlich schwimmt man später auch IM Wasser und nicht AUF dem Wasser. Manche vermuten jetzt zwar, dass es logisch ist. Ist es auch. Aber das weiß der Kopf noch nicht. Instinktiv wollen wir immer ÜBER dem Wasser sein aus Angst absaufen zu müssen. Daher mein Tip: Ins brusttiefe Wasser gehen, untertauchen und bewusst ein paar Sekunden unter Wasser verbleiben. Versuchen dabei ruhig zu bleiben. Mutige öffnen unter Wasser ihre Augen. Das ist mir besonders schwer gefallen. Der Druck auf die Lunge rief bei mir sofort ein beklemmende Gefühl hervor. Aber sobald man sich aufrichtet, hat man ja wieder alles unter Kontrolle.

IM Wasser, nicht AUF dem Wasser

Auf dem Wasser liegen

Für diese Übung eignen sich besonders Thermen und Solebäder. Das Salzwassergehalt von mindestens 3% ist besonders tragfähig. Es fällt leichter Vertrauen zu finden. Ein weiterer Vorteil ist, dass man i.d.R. überall stehen kann. Je nachdem wie man es lieber hat, kann diese Übung auf dem Rücken oder in der Bauchlage ausgeführt werden. Optimal wäre eine Abwechslung. Seitliche Position vom Beckenrand mit einer (sorry… das muss jetzt sein) Armlänge Abstand. Eine Hand verbleibt auf dem Beckenrand. Das ist eigentlich nicht notwendig aber hilft dir vielleicht mehr Vertrauen zu haben. Lege dich nun auf den Rücken und versuche dich in einem schwebenden Zustand zu bekommen. Dabei den Kopf so weit wie noch angenehm in den Nacken legen. Je entspannter man wird, desto einfacher wird es später gelingen auf dem Wasser zu liegen.

 Gleiten

Das Gleiten ist die Übung, die mich zum Erfolg gebracht hat. Aus meiner Sicht ist es die wichtigste Übung zur Wassergewöhnung. Dabei geht es nicht darum Schwimmbewegungen zu imitieren, sondern kurze Distanzen im Wasser zu gleiten. Man stellt sich ins Schwimmbecken mit dem Gesich zum Beckenrand gewandt. Zwischen der eigenen Position und dem Beckenrand, dürfen es zunächst gerne 6 Meter und mehr sein. Die Arme liegen parallel nach vorne gestreckt auf dem brusthohen Wasser. Nun stoße dich kräftig mit beiden Beinen gleichzeitig vom Beckenboden ab und versuche zum Beckenrand zu gleiten. Wichtig sind dabei folgende Hinweise:

  1. Gut gefüllte Lungen sorgen für Auftrieb. Dennoch bitte nicht vergessen zu atmen.
  2. Lang machen: Strecke dich so weit es geht.
  3. Körperspannung: Auch du hast Muskeln, auch wenn du sie vielleicht nicht siehst. Eine gute Körperspannung sorgt für eine gute Wasserlage

Bei dieser Übung darfst du Schwimmbewegungen imitieren, musst es aber nicht. Wenn das Hinübergleiten kein Problem für dich war, vergrößere den Abstand. Nach einer Weile entwickelt man Ehrgeiz und fängt automatisch an für sich Taktiken zu entwickeln, immer größere Distanzen zu überbrücken. Zum Beispiel mit Hilfe von Armzügen und Beinschlägen?

Sonstige Hilfen

Hier noch ein Tipp: Hast du zufällig eine Schwimmbrille dabei? Setze sie auf und halte dein Gesicht unter Wasser, sodass deine Halswirbelsäule entspannt ist und sich nicht überstreckt. Außerdem hast du automatische weniger Wasserwiderstand und eine bessere Wasserlage. Du wirst wesentlich weiter gleiten können.

Beim nächsten mal würde ich gern kontrovers die These in den Raum werfen, dass Brustschwimmen NICHT optimal dazu geeignet ist das Schwimmen zu lernen und kraulen auch so seine Tücken hat. Darauf gebracht hat mich meine Tochter.

Unbenannt


Hinweis: Ich übernehme keine Haftung für evtl. entstandene Schäden. Ich gehe davon aus, dass jeder
Mensch im Vollbesitz seines gesunden Menschenverstandes ist. Darüber hinaus ist jeder Mensch für
sein eigenes Handeln selbst verantwortlich. Die Durchführung der hier beschriebenen Übungen werden
auf eigene Verantwortung durchgeführt.

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