Run and Roll Day Bielefeld

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Der Ostwestfalendamm (OWD) in Bielefeld ist gesperrt. Es ist Run and Roll Day. Die Anfahrt ist nervenaufreibend. Blechlawinen schieben sich über die Straßen der nicht all zu schönen Stadt, die letztendlich tatsächlich doch existiert. Man kann sie riechen und es duftet nach Benzin, Abgase und Gummi. Nein. Schön ist Bielefeld wirklich nicht. Trotzdem genießt die Heimat der Sparrenburg einen Kultstatus. Auch bei mir.

Parken wie die Könige

Gut, die Anfahrt zum Run and Roll Day war aufgrund der Sperrung des OWDs katastrophal. Dafür wird man beim Run & Roll Day mit einem Luxusparkplatz bedient. Wahrscheinlich nicht zuletzt wegen der hohen Parkgebühren (2€ pro Stunde), waren im Parkhaus direkt neben dem Gelände noch ausreichend Parkplätze frei. Vom Auto bis zum Veranstaltungsgelände sind es nur 2-3 Minuten Fußweg. In unmittelbarer Nähe ist das Ishara. Ein Schwimmbad. Dort kann man auch seinen Kleiderbeutel abgeben. Man darf die Umkleidekabinen, Schließfächer und Duschen nutzen. Nunja… es wurden zwei Umkleidekabinen zur Verfügung gestellt (ich meine jetzt nur die Männerumkleiden), die in etwa die Größe einer Besenkammer hatten. Die Schließschränke nehmen doch sehr viel Raum ein. Darüber hinaus ist es jetzt schon brechend voll. Da ich weder Lust auf Gruppenkuscheln mit einen haufen halbnackter, behaarter Männer habe, noch Kleingeld für die Schließschränke, beschließe ich mein Auto zu nutzen. Das steht ja in unmittelbarer Nähe. Ich verabschiede mich schon einmal von dem Gedanken nach dem Lauf duschen zu können.

Messe und Infostände beim Run and Roll Day

Tolle Idee: Buff statt Medaille
Tolle Idee: Buff statt Medaille

Da sich meine Tochter mehr für Schwimmen als Laufen interessiert, bleibt sie mit ihrer Mutter im Ishara. Wie mir später berichtet wurde, ein wirklich sehr schönes Schwimmbad mit Wiederholungsgarantie und verhältnismäßig günstig. Ich bin derweil mit Bankkarte bewaffnet zum Gelände. Vielleicht bekomme ich neue Trailschuhe zu Messepreise? Denkste! Stände gibt es zwar reichlich. Aber abgesehen vom Infostand für den Run&Roll Day und der Infostand für den Hermannslauf, ergeben die restlichen Stände für mich so viel Nutzen wie Kühlschränke in der Arktis. Ich habe fast ausschließlich Werbung bzw. Stände von irgendwelchen Unternehmen gesehen. Aber erhoffte Laufschuhe, Shirts oder Ähnliches gab es nicht zu kaufen. Stattdessen Radiosender, Krankenkasse und Co. Oder ich habe es übersehen. Außerdem ist alles sehr, sehr eng und platzmäßig ziemlich knapp bemessen. Es herrscht ein derbes Gedränge. Mir drängt sich so langsam die Frage auf, ob die Idee einen Lauf auf dem OWD stattfinden zu lassen, wirklich so gut ist.

Plötzlich fiel ein Schuss

Fünf Minuten vor der Zeit, ist des Läufers Pünktlichkeit. Der Start für den 10 KM Lauf sollte um 12:15 Uhr sein. Verzögerungen sind nicht ungewöhnlich und machen mir nichts aus. Vielleicht für die Topläufer etwas doof, weil die sich warm halten müssen. Bei der Wärme ist das allerdings noch relativ einfach. Trotzdem finde ich, dass man bis zu einer gewissen Zeit auch Verzögerungen haben darf. Denn so ein Lauf ist aus Sicht des Veranstalters immer eine enorme Herausforderung. Als klar war, dass sich der Start verzögert, suchte ich mir einfach einen Gesprächspartner und plauderte ein wenig. Bis, ganz plötzlich ohne vernehmbare Ansage, der Startschuss fiel. Alles um mich herum guckte etwas überrascht und irritiert. Aber gut, es waren so viele Teilnehmer das man sowieso nicht sofort loslaufen kann. Man kennt das.

Die Strecke

Vom Start kam man gut weg. Es dauerte nicht lang und man hatte freie Bahn. Was nicht zuletzt daran liegt, dass der OWD ziemlich breit ist. Das ist natürlich sehr angenehm zu laufen. Gerade freue ich mich darüber, dass ich wohl die richtige Schuhwahl getroffen habe. Ungefähr nach zwei Kilometer geht es vom OWD herunter und nach oben in die Landschaft. Und nun beginnt sie, die Steigung über fast 3 KM. Klar, wo es hoch geht, geht auch irgendwann wieder runter. Ich fühlte mich auf den Anstieg stark und konnte ein für mich gutes Tempo halten. Nach ca. 7 KM wurde mir klar: Obwohl ich gerade ziemlich nachlasse, das kann eine neue Bestzeit über 10 KM werden. Das Training zeigt Wirkung.

Ich versuche bergab noch einmal mehr rauszuholen, was mir aber nicht so richtig gelingen möchte. 1 KM vor dem Ziel werde ich von einigen Mitläufern noch einkassiert. Plötzlich, es waren noch gut 300 Meter vor der Ziellinie, meldet meine Uhr die 10 KM-Marke mit einer neuen Bestzeit. Bitte??? Ich bin doch noch garnicht im Ziel!? Wie kann das sein? Ich verfluchte meine Uhr. Zu unrecht wie sich später herausstellen sollte.

Ziel und Nachzielbereich

Happy im Stau
Happy trotz Stau

Etwas betreten gucke ich auf meine Zielzeit und vermute, dass meine Uhr wohl etwas rumspinnt. Ach egal, denke ich. Es wurmt mich zwar aber es war trotzdem eine gute Zeit gemessen an den über 100 HM und der Temperatur. Weder Tag noch Strecke sind dazu geeignet gute Zeiten zu laufen. Kommen wir also zum Wichtigsten. Dem FINISHER-BIER! Manchmal glaube ich, dass ich nur deswegen an solchen Events teilnehme. Auch dieses Mal werde ich nicht enttäuscht.

Nach dem Zieleinlauf wird man automatisch angemessen verpflegt. Man muss nur einfach langsam geradeaus wanken. Bis ich zum obligatorischen Apfel/Banane-Stand komme, habe ich von den sehr freundlichen und fröhlichen Helfern (Danke, ihr seid mal wieder die Stars!) ordentlich Tee und Wasser bekommen. Noch vor dem Bierstand schaue ich mich fragend nach einer Toilette um. Davon habe ich nicht eine einzige gesehen… wahrscheinlich in der überfüllten Enge mal wieder übersehen? Anhalten ist angesagt. Auch eine Medaillen gibt es nicht. Stattdessen bekommt man ein Buff vom Stadtwerke Run and Roll Day. Coole Idee wie ich finde. Nun wirds Zeit. Ich schwitze und mir wird kalt.

Duschen und umziehen?

Irgendwie hoffe ich gerade beim Schreiben, dass ich hier das Event nicht zu unrecht auseinandernehme. Andererseits wird mir häufig vorgeworfen ich sei zu unkritisch. Aber wenn es nichts zu meckern gibt, lass ich es halt. Das Querulantentum möchte ich anderen überlassen. Diesmal überwiegen für mich persönlich allerdings leider die “nicht so schönen” Dinge. Wie zuvor schon befürchtet, kann ich es knicken zu duschen. Wenn es vor dem Lauf in den beiden Besenkammern des Ishara schon überfüllt war, platzt es nun aus allen Nähten. Ich kann mir kaum vorstellen, ob man nach dem Duschen unterscheiden kann, nass von der Dusche oder vom Schweiß anderer Leute zu sein. Allein beim Gedanken dreht sich mir der Magen um. Also ab zum Auto, Kofferaum auf, so gut es geht eben abtrocknen und umziehen. Fühlt sich 1.000 mal besser an als Fußpilz oder schlimmeres zu sammeln.

Der große Vorteil ist hier, dass es unterhalb des Parkhauses Gastronomie mit Außenplätzen gibt und es überdem schön warm draußen ist. Trotz allem fühle ich mich gut, denn ich habe den ersten Lauf des Trailrunning-Cup Classic hinter mich gebracht und zumindest meine Uhr glaubt an eine neue PB über 10 KM.

Run and Roll Day – So ungefähr 10 KM

Einen Tag später erhalte ich eine Email von Active Sportshop Bielefeld. Der Laden richtet den Trailrunning-Cup aus. Unter anderem habe ich jetzt die Info, dass ich auf Platz 493 (von 652) in der Gesamtwertung bin. Nicht der Letzte. Das ist ein Erfolg. Gut, es haben halt nicht alle Teilnehmer den Run and Roll Day mitgemacht. Darüber hinaus fand sich in der Email aber auch folgender Text:

Bei sommerlichen Temperaturen siegten auf dem OWD mit Kerkmann und Franzi Bossow TRC Starter mit deutlichem Vorsprung. Franzi, die wegen ihrer Präferenz auf den Triathlon auch in diesem Jahr die Short Version bestreitet, war mit 41:29 Minuten ebenso ungefährdet wie Kerkmann, der 35:05 Minuten für die 10,3 km lange und mit 130 Höhenmetern sehr anspruchsvolle Strecke benötigte.

Bitte? 10,3 KM? Der Lauf ist doch mit 10 KM ausgeschrieben! In der Ausschreibung steht doch auch:

Die Durchführung der Laufwettbewerbe erfolgt nach den amtlichen Bestimmungen des DLV und des DLO unter Aufsicht des FLVW.

Naja, wenn ich mir das so genau durchlese fällt mir auf, dass darin nicht einmal das Wort “vermessen” auftaucht. Ich frage einfach mal beim Active Sportshop nach. Die haben ja Erfahrung mit dem Run and Roll Day und erhalte folgende Antwort:

[…]Der OWD Lauf wird zwar vom Veranstalter immer als 10 KM Lauf angegeben, aber definitiv ist er länger, daher auch die “schlechten” Zeiten. […]

Das bedeutet ich bin beim Run and Roll Day eine PB über 10 KM gelaufen trotz über 100 HM und warmen Temperaturen, kann sie aber offiziell nicht bestätigen.

Run and Roll Day für mich keine Wiederholungsgefahr

Fazit: Beine hoch statt Bielefeld
Fazit: Beine hoch statt Bielefeld

Stadtwerke Rund and Roll Day. Ich finde es schwierig. Die Rückfahrt war aufgrund massiver Staus sehr, sehr unangenehm. Die Parkgebühren belaufen sich auf 8€, die Strecke ist nicht DLV-Vermessen (kann man drüber diskutieren), die Verkehrsführung ist katastrophal, das Veranstaltungsgelände langweilig und zu wenig Raum, Duschen und Umkleidungsmöglichkeiten sind unzureichend. Das ganze Event scheint für die Bielefelder mehr eine Belastung als ein positives Ereignis zu sein, wenn man sich in sozialen Medien umschaut. Das Ishara hat meine Mädels begeistert und das Steakhaus ‘La Pampa’ hat mich nachher gut verpflegt. Sorry. Außer dem Bier, das Buff (tolle Idee) und die vielen netten Menschen um mich herum treibt mich nichts dazu noch einmal dort zu laufen. Kann man hin, muss man echt nicht. Meine bescheidene Meinung.

 Unbenannt

Ich habe diesen Artikel am 5. Mai 2017 @ 9:55 nachträglich noch bearbeitet. Darüber hinaus möchte ich meine Ausführungen zum Thema “Vermessung von Distanzen” folgendes ergänzen: “Inzwischen ist mir selber klar geworden, dass es bei einem Trail- und oder Landschaftslauf relativer Quatsch ist, eine genau vermessene Strecke zu erwarten. Es ergibt zudem auch wenig Sinn. Ich liebe es mit etwas Abstand solche Dinge zu betrachten und zu lernen.”

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