Der Kopf läuft mit

Ich hatte vier Tage Laufpause aus beruflichen Gründen. Als ich am fünften Tag zum ersten Lauf antrat, war ich motiviert bis in die Haarspitzen. Endlich wieder laufen! Nach dem Einlaufen wollte ich 40 Minuten Tempo laufen. Bis zum Einlaufen war alles super. Die Beine waren fit, der Kreislauf voll dabei. Dennoch war ich nicht in der Lage das anschließende Tempo zu halten und brach den Lauf ab. Flasche leer. Was war passiert?

Der Kopf sagt einfach Nein

Es hat sich gezeigt, dass nicht nur die Muskeln, Sehnen und Bänder fit sein müssen. Natürlich ist auch das Herz- und Kreislaufsystem wichtig. Das wissen wir von unserem ersten Lauf an. Aber was ist mit unserer Zentrale, dem Kopf? Ich spule mal etwas zurück.

Die letzten zwei Wochen vorher waren bereits organisatorisch nicht einfach. Da meine Frau durch einen Arbeitsunfall auf Unterstützung angewiesen ist, sieht die Aufgabenteilung anders aus als sonst. Neben Vollzeitjob, Haushalt, kleiner Tochter und organisatorische Unterstützung meiner Frau schaffe ich es trotzdem überraschenderweise auch mein Training wahrzunehmen. Dienstlich musste ich in dieser Woche jedoch vier Tage verreisen um an einer Fortbildung teilzunehmen, die sich leider nicht verschieben lassen konnte. Im Vorfeld mussten einige organisatorische Dinge geklärt werden, was die Versorgung meiner Familie während der Zeit anging. Dann kamen die vier Tage der Fortbildung, die es in sich hatten. Lange und stark fokusierte Tage. Die Hinfahrt mit der Bahn war jetzt auch nicht so stressfrei durch überfüllte Züge. Im Hotel, welches generell super war, hatte ich den First-Night-Effect. Die Rückfahrt war wieder überfüllt und geprägt von Verspätungen. Einen Anschlußzug habe ich leider verpasst.

Endlich wieder zuhause hatte ich gehofft mich entspannen zu können. Ich war erst spät abends wieder angekommen und fiel todmüde ins Bett. Nachts schreckte ich aus irgendeinen Grund schreiend auf. Ein Alptraum wahrscheinlich. Zum Glück kann ich micht erinnern. Morgens mache ich meine Tochter schulfertig und organisiere alles was in den letzten vier Tagen meine Frau nicht erledigen konnte. Endlich kann ich laufen.

Der Kopf läuft mit

Nachdem meine Uhr mir sinngemäß sagte: “Lauf du Sau. Mach mal Tempo!” erhöhte ich meine Körperspannung, Schrittfrequenz und das Tempo. Direkt zu Beginn kam es mir so vor, als wenn ich im Zieltempo laufen würde. Ich warte inzwischen meistens eine Weile ab um die durchschnittliche Pace innerhalb der Runde zu kontrollieren. Alles andere als Durchschnittswerte, kann man irgendwie vergessen.

Nach einigen hundert Metern spürte ich, dass alles irgendwie fürchtlich anstrengend wurde. Anstrengung ist kein Problem. Aber dieses Mal war es anders als sonst. Wobei sowieso alles irgendwie anders war. Denn normalerweise bin ich für die schnelleren Einheiten lieber auf der Bahn. Die war aber geschlossen, also musste ich eine möglichst flache Alternative finden. Zum Glück gibt es einen alternativen Ort zu dem ich hinfahren kann. Allerdings musste ich dort feststellen, dass auch diese gewohnte Strecke (wegen Baumfällarbeiten) teilweise gesperrt war. Also musste ich auch von dort weichen und bei ‘Pisselwetter’ (Dauerregen mit blöden Seitenwind) durch das offene Feld laufen. Ein Blick auf meine Uhr offenbarte mir dann, dass ich viel zu langsam unterwegs bin und mein Puls bereits in den Orbit schnellte. Gedankenkreisen. Selbstzweifel. Plötzlich fuhr mein System runter und ich wurde immer langsamer ohne meinem Körper dafür den Befehl gegeben zu haben. Abbruch und Frust.

Einmal ist keinmal?

Der nächste Lauf war ein drei-stündiger langsamer Dauerlauf. Diesmal fühlte sich der Lauf nicht so schlecht an aber trotzdem bin ich rund 3 KM weniger als sonst gekommen. Ich hatte Mühe meinen Puls im Zielbereich zu halten. Auch die darauf folgenden zwei Läufe wurden nicht besser und waren vom hohen Puls und dem Unvermögen im Tempo zu laufen dominiert. Wie das so ist, wird man schnell ungeduldig und frustriert.

Inzwischen klappt es wieder etwas besser. Mein Puls ist noch etwas unbändig und manchmal fühlt es sich unverhältnismäßig schwer an. Besonders bei den schnelleren Läufen. Wiederholungen ziehe ich jetzt einfach durch. Lieber eine nicht so gute Wiederholung als garkeine. Die langsamen Läufe machen wieder mehr Spaß.

Übertraining, Stress oder Motivation

Ich vermute sehr, dass Stress der Grund meines Leistungseinbruchs war. Aufgrund meines verhältnismäßig geringen Wochenumfangs schließe ich Übertraining aus. Es liegt auf der Hand: Der Kopf läuft mit! Anstatt mir den Kopf frei zu laufen, gerate ich häufiger in eine Gedankenspirale in der ich Abläufe organisiere, meine Tochter unterhalte, Arzttermine meiner Frau koordiniere, in Wartezimmern sitze, mich mit Institutionen herumschlage, Haushalt übernehme und nebenbei noch vollzeit arbeiten und laufen gehe. Bin ich eigentlich doof? Warum stelle ich mir die Frage woran es liegt? Es ist doch klar!

Zum ersten mal habe ich einen offiziellen Lauf abgesagt. Der Weihnachtscrosslauf in Borgholzhausen ist Teil des Trailrunning-Cup 2016/17 der aus fünf Läufen besteht. Mindestens vier muss man laufen um in die Wertung zu kommen. Da ich nicht wieder einen ganzen Tag abwesend sein will und auch meine Leistung nicht da ist, nehme ich einfach nicht teil. Und ich fühle mich mit dem Gedanken sehr gut. Überhaupt will ich im kommenden Jahr etwas weniger an offiziellen Läufen teilnehmen und stattdessen mehr laufen. Die zwei verbleibenen TRC-Läufe sowie der Münster-Marathon und der Silvesterlauf bleiben jedoch. Und… der WingsForLife…. und…. ach mist. 🙂

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