Born to run: Über das Buch und seinen Kultstatus

Ich habe ja manchmal so meine Problemchen mit Dingen die man als Kult bezeichnet. Motörhead und AC/DC sind auch Kult. Obwohl ich bekennender Metal und Hardrock Fan bin, kann ich mit der Musik jedoch nicht viel anfangen. Jedes Mal wenn ich das irgendwo erwähne, wird mir Gotteslästerung vorgeworfen. Ähnlich ist es mit dem Buch “Born to run” von Christopher McDougall in Läuferkreisen. Oder sagen wir mal, es war so. Obwohl ich bekennender und leidenschaftlicher Läufer bin, konnte ich dem Buch überhaupt nichts abgewinnen.

Große Erwartung und Ernüchterung

Das Buch trägt in der deutschen Übersetzung den nicht ganz so kurzen Titel “Born to Run: Ein vergessenes Volk und das Geheimnis der besten und glücklichsten Läufer der Welt“. Die Rezensionen sind sehr gut und die Leser überschlagen sich mit Lob. Wenn man selber für sich das Laufen gerade entdeckt hat, saugt man dankbar alles auf, was auch nur im Entferntesten mit Laufen zu tun hat. Die Geschichte der Tarahumara, die besten Läufer der Welt, scheint indes den Kern des Laufens zu treffen. Oder zu deutsch: Wer von sich behauptet er sei leidenschaftlicher Läufer, der MUSS dieses Buch einfach lieben. Entsprechend verunsichert war ich, als ich mich durch das erste Drittel des Buches “durchquälen” musste. Ich empfand es als quälend langweilig und uninteressant. Es ist selten, dass ich ein Buch zur Seite lege und es nicht weiterlesen möchte. Hier passierte es.

Bin ich kein richtiger Läufer?

Zugegeben, diese Zwischenüberschrift ist nicht ganz so ernst gemeint. Natürlich hat das Lesen eines Buches nichts mit der eigentlichen Leidenschaft, dem Laufen, zu tun. Genau so verhält es sich übrigens mit der Musik. Ich höre zwar kein Motörhead, ich bin aber dennoch ein Metal-Fan. Es ist, wie es so oft ist. Es entwickelt sich manchmal in Kulturen ein (ich wäre gern) elitäres Feld, welches sich irgendwie abgrenzen möchte. Grenzen sind aber doof. Das wissen vor allem wir Läufer nicht wahr? Achtung: Doppelspitze. 😉

Bei Musik und Büchern handelt es sich vor allem um persönliche Präferenzen. Es ist eine Geschmacksfrage über die man sich (nicht) herrlich streiten kann. Es sagt nichts über meine grundlegende Zuneigung zu HardRock und Metal aus. Es sagt auch nichts darüber aus, ob ich nun ein leidenschaftlicher Läufer bin oder nicht.

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Wie ich doch noch zum Fan wurde

Ich habe mich für einen kurzen Moment ernsthaft gefragt, ob ich das Laufen überhaupt verstanden habe. Natürlich muss man das nicht. Dennoch habe ich einfach nicht verstanden, warum die Leser dieses für mich so öde Buch toll fanden. Vielleicht hat einfach nur irgendwann einmal jemand behauptet, es sei Kult? Solche Dinge passieren ja auch gelegentlich. Also beschloss ich es noch einmal zu versuchen mit “Born to run” und diesmal würde ich einfach stur durchhalten. Aber die Zeit war mir irgendwie zu schade. Also schaute ich einfach bei Audible nach, ob es das Werk von Christopher McDougall auch als Hörbuch gibt. Und siehe da, ich hatte Glück. So konnte ich zumindest im Auto, Bus oder Bahn einfach die Kopfhörer aufsetzen und mich beriesel lassen.

Eine spannende Geschichte mit einem Bekannten

Das Hörbuch von “Born to run” war für mich eine Offenbarung. Mit ganz großer Sicherheit ist das nicht zuletzt dem Sprecher zu verdanken. Die Stimme von Martin Harbauer passt einfach zu der Story. Aus einem (FÜR MICH) langweiligen Buch, wurde eine dichte Atmosphäre, eine abendteuerliche Geschichte über die besten Läufer der Welt. Später spielt unter anderem Scott Jurek eine der Hauptrollen in “Born to run”. Dessen Buch “Eat & Run” habe ich ja sozusagen verschlungen. Damit hatte ich schon einmal einen Aufhänger an dem ich mich orientieren konnte. Tatsächlich habe ich erst verstanden worum es in “Born to run” geht, nachdem ich das Hörbuch gehört hatte. Schön, dass ich in der Lage bin spontan meine Meinung um 180° zu drehen. Das Buch ist fantastisch, wenn man es hören darf und nicht lesen muss.

Funktioniert nicht immer

Nun kam ich zu der Annahme, dass jedes Buch zu einer Offenbarung wird wenn ich es als Hörbuch höre, statt es zu lesen. Das stellte sich als Trugschluss heraus. Denn ich lese z.B. sehr gerne Fantasy-Romane. Das ändert nichts an der Tatsache, dass ich überhaupt nichts mit dem Roman “Das Lied von Eis und Feuer” anfangen kann. Weder mit dem Roman, dem Hörbuch oder die Serie “Game of Thrones”. Obwohl es ja eigentlich Kult ist nicht wahr?

Born to run kann ich allerdings als Hörbuch unbedingt weiterempfehlen. Übrigens gibt es noch das “Handbuch des Helden” von McDougall. Dabei ging es mir genau so. 🙂


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