46. Hermannslauf – Ein Teutone muss im Ziel noch kämpfen können!

Da ist es nun, das große Finale des TrailRunning Cup 16/17 – Wenig überraschend ist der Ausgang. Elias Sansar gewinnt zum 10. Mal den Hermannslauf in einer sensationellen Zeit von 01:46:38

Mein persönliches Finale beginnt zuvor dramatisch und bleibt bis zum Ende für mich spannend. Mein erster Hermannslauf ist Geschichte, war sehr lehrreich und mein bisher härtester Lauf. Nicht nur, weil die Strecke einem echten Teutonen gerecht wird.

Wo ist der verdammte gute Stern, wenn man ihn braucht?

Taping und TensEs ging ja eigentlich schon ein paar Wochen vor dem Hermannslauf nach einem langen Trainingslauf los. Ein leichtes Ziehen im rechten Bein. Naja aber irgendwas ist ja immer. Das läuft sich schon noch raus. Dann kam der Halbmarathon in Berlin, wo ich meine Bestzeit um über 12 Minuten verbessern konnte. Seitdem konnte ich meinen Trainingsplan nicht mehr richtig einhalten, weil sich mein Bein in regelmäßigen Abständen meldete. Trotzdem lief ich noch den Paderborner Osterlauf über 10K mit und wollte natürlich auch dort meine PB verbessern. Das gelang mir auch sehr deutlich mit ungefähr 7 Minuten. Danach machte das Bein allerdings nur noch zicken und laufen war nur noch schwer möglich. Bis einschließlich Freitag, den 28. April. Zwei Tage vor dem Hermannslauf.

Laufen oder nicht laufen

Ich habe das unverschämte Glück, dass ich in Werther übernachten kann. Mein Cousin wohnt dort und ich habe nicht nur eine Unterkunft, sondern auch Unterstützung. Fantastisch. Am Freitag stand für mich eigentlich fest, dass ich mit dem Bein nicht starten kann. Nach Rücksprache mit meinem Physio, meinem Coach Michael und meiner wichtigen Beraterin, Mentalcoach und tollen Freundin Sandra (jeder sollte eine Sandra haben) beschloss ich trotzdem am Samstag meine Unterlagen abzuholen und Sonntag früh zu entscheiden, ob ich laufen würde oder nicht. Wenn aber über Nacht kein Wunder geschieht, lasse ich es einfach.

Manchmal passieren aber doch Wunder

Am Samstag verbrachte ich den ganzen Tag in Bielefeld. Die Messe am Gymnasium Waldhof, wo später auch die Shuttlebusse starten sollten, ist nichts Außergewöhnliches. Also halten wir uns nicht lange dort auf. Aber diesen ziemlich coolen Hermannslauf Schal wollte ich dann doch noch haben. Nenn mich Souvenir-Victim. Startnummer holen und wieder in die Stadt. Das Übliche: Shopping, Kaffee später noch Essen in Werther.
Gegen Abend stellte ich fest, dass mein Bein den gesamten Tag über schmerzfrei war. Ich bereitete vorm Schlafengehen also doch noch alles vor um zu starten. Ich würde nun doch starten, wenn ich beschwerdefrei wach werden würde. Was dann auch so war. Doch ein kleines Wunder. Nach einigen Tagen mit der Blackroll, Massagerolle, Traumeel Salbe, Traumeel Tabletten und Reizstrom sowie regelmäßiges, leichtes Dehnen, Physiotherapie und Taping.

Einfach nur nervös

Normalerweise spüre ich vor einem Lauf immer eine leichte Anspannung und Vorfreude. Diesmal war ich schlicht und ergreifend nervös. Würde das Bein halten, würde ich ob meiner vorherigen Verletzungsphase überhaupt fit genug sein? Ist der Hermannslauf wirklich so hart wie ein Marathon oder gar schlimmer? Bin ich überhaupt soweit?

Im Shuttlebus am frühen Morgen wurde es nicht besser. Die Busse sind übrigens toll organisiert. Vom Gymnasium Waldhof aus fuhren ab 7:00 Uhr Shuttlebusse bis zum Hermannsdenkmal. Ich befolgte den Tipp, möglichst früh zu fahren.

Vor mir saßen zwei Teilnehmer und unterhielten sich über den Hermannslauf. Der jüngere war wohl Mitte 50. Der ältere, er wollte den Hermann wandern, weil er nicht mehr auf Zeit läuft, schien sich langsam der 70 zu nähern. Beide Topfit. Wenn ich so mit 40 bin, habe ich viel richtiggemacht. Der jüngere sagte Sätze wie: „Ich laufe heute meinen 6. Hermann und ich finde ja, dass ein Marathon wesentlich leichter zu schaffen ist.“ Ich dachte mir nur so: „Angeber!“ Allerdings vernahm ich diese Sätze nicht nur häufiger, sondern sah auch überall schweigsame Zustimmung. Jedes Mal, wenn jemand so etwas sagte, nickten alle drumherum. Mir wurde ganz anders…

Früh ist gut, zu früh nicht so richtig

Ich kam sehr früh am Hermannsdenkmal an. Dort oben weht ein anderer Wind. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es war arschkalt so früh am Morgen obwohl sich bereits jetzt die Sonne zeigte. Ich hatte zwar eine alte Jacke an die beim Start verbleiben würde, aber darunter halt nur mein dünnes Laufzeug. Merken für das nächste Mal: Nicht sofort mit einem der ersten Busse fahren oder einen Platz in der Läuferlounge buchen. Das werde ich beim nächsten Mal tun.

Am Hermann lausche ich weiteren Gesprächen. Von Menschen die zum ersten Mal den „Hermann laufen“ und von alten Veteranen. Die einen reden von Respekt und die anderen haben Angst. Ich bin irgendwo mittendrin und beschließe einfach mal zu laufen.

Plötzlich erblicke ich ein bekanntes Gesicht. Elmar Sprink, hier beim Hermann. Ein erfahrener und ziemlich guter Triathlet. Ich springe auf und renne sofort zu ihn. Denn was ich jetzt gebrauchen kann, sind wertvolle Tipps. Elmar läuft den Hermann auch zum ersten Mal. Aber sein Kollege ist den schon öfters gelaufen. Ich frage nach Tipps und bekomme genau die Hinweise, die mir später den Arsch retten werden. Ich bin euch sooo dankbar!

Start in Wellen

Der Hermannslauf startet in drei Wellen. Da ich ihn zum ersten Mal laufe, bin ich in Gruppe C die als letzte startet. Bis zum Start habe ich noch Zeit. Zwischendurch texte ich immer wieder mit Sandra und Thomas. Das hilft mir die Zeit zu überbrücken. Ohne Sandra würde es mich ja sowieso nicht in dieser Form geben. Darüber hinaus ist sie immer die beruhigende Stimme im Hinterkopf. Klar Sandra, ich bringe das Ding jetzt nach Hause. Ich mach das jetzt einfach. Die Distanz ist kein Ding… aber die verdammten Höhenmeter und das Gelände ist an manchen Stellen halt auch nicht so einfach (was ich aber erst während des Laufs erfahren sollte).

Ich hüpfe mich leicht nach vorne und versuche mich zu entspannen. Ich stelle mir einfach vor einen langen Trainingslauf zu laufen. Der Startschuss für Gruppe C fällt.

Ich höre noch einmal Elmars Rat:

„Laufe die ersten 20 KM langsam. Wenn dann noch was gehen sollte, gib Gas. Ansonsten ziehst du weiter durch.“

Diesen Rat habe ich während des Laufs bei den Lämmershagener Treppen einer Läufering weitergegeben, die schon sehr erschöpft war. Formuliert habe ich es so:

“Ein echter Teutone muss im Ziel noch kämpfen können!”

Ich habe zum Hermannslauf diesmal ziemlich viel zu erzählen. Vielleicht ist nicht alles interessant. Wenn du dir aber überlegst ihn zu laufen, lies den folgenden Abschnitt ruhig weiter. Vielleicht ist dort die eine oder andere Information, die dir helfen kann.


Der Streckenverlauf – Hermannsdenkmal

Startschuss! Langsam setzt sich die Masse in Bewegung. Wir starten quasi hinterm Fuße des Hermann, der ja eigentlich Arminius heißt. Er ist uns mit seinem Rücken zugewandt, streckt sein Schwert in die Höhe und schaut nach Frankreich. Zunächst geht es bergab. Und ich meine nicht so ein leichtes, angenehmes Bergab was sich wie Rückenwind anfühlt. Über gut begehbaren Waldboden und Asphalt geht es die nächsten 4 KM (keine 100%ige Angaben, bitte habt Verständnis) im stetigen Bremsschritt hinab. Einfach „rollen lassen“ ist hier nicht möglich ohne den Vordermann/frau über den Haufen zu rennen. Wenn man also glaubt, man könne hier mit Karacho runtersprinten, hat man sich getäuscht. Es sei denn man ist im Starterfeld sehr weit vorne.

An dieser Stelle bin ich heilfroh, dass ich bei diesem Lauf die sog. Marathonschnürung und meine Hoka Challenger genutzt habe. Zum einen hilft mir die starke Dämpfung und zum anderen bleibt der Schuh anständig sitzen. Damit vermeide ich vorne mit den Zehen anzustoßen und mir blaue Zehennägel einzuhandeln.

Für die nächsten 1.5 bis 2 KM wird es sandig. Natürlich habe ich mir vorher schon das Streckenprofil angesehen und wusste, dass es sandig wird. Aber dass es SO sandig wird, damit habe ich nicht gerechnet. Es jetzt nicht so tiefer Sand wie am Strand aber schon tief genug um erheblich zu stören. Hier kann man erkennen, wer zum ersten Mal den Hermann läuft. Denn parallel läuft ein schmaler Pfad der wesentlich weniger sandig ist. Wiederholungstäter halten sich an diesem Punkt also weiter links und kommen trotz enger Verhältnisse mindestens kraftsparender durch. Das ist für die erste fiese Steigung auch durchaus nützlich.

Großer Ehberg

Bevor es jetzt wieder steil wird, diesmal jedoch aufwärts, wartet der erste Verpflegungspunkt mit Wasser. Je nach Wetterlage unbedingt mitnehmen. Was drin ist, ist drin.

Besonders für die Ersttäter: Nehmt zwei Becher, hört auf zu laufen und GEHT den Ehberg hoch. Ich kann nur dringend davon abraten versuchen zu wollen das Ding zu laufen. Zügig hochgehen ist nur geringfügig langsamer als laufen, spart aber jede Menge Energie die ihr ohne Zweifel im letzten Drittel brauchen werdet. Schaut euch das Salomon Video “How To Run Episode 4” von Salomon an.

Es geht nun wieder vom Ehberg herunter aber es wird dadurch nicht wirklich einfacher. Denn auch jetzt ist man damit beschäftigt sich zu bremsen um niemanden über den Haufen zu laufen oder auf die Nase zu fallen. Geht mir jedenfalls so. Solltet ihr, wie ich, eher vorsichtig herunter laufen, haltet euch ganz rechts. Diese Empfehlung möchte ich für die gesamte Strecke aussprechen.

Auch hier wieder ein Tipp: Wenn vor Euch langsamere Läufer sind und ihr kurzfristig nicht vorbei kommen solltet. Seid dankbar dafür und regt euch nicht auf. Glaubt es einfach, die eingesparte Energie ist wichtiger als die paar Sekunden. Die nächste Gelegenheit zu überholen kommt bestimmt. Und überholt auch nur, wenn ihr wirklich deutlich schneller als euer Vordermann seid. Wie auf der Autobahn halt. Ich finde es immer blöd wenn drei oder vier Läufer auf einem eingen Pfad nebeneinander laufen und niemand überholen kann.

Die Panzerstraße

So weit so gut. Dann ist man ungefähr auf Höhe Augustdorf und biegt auf die so genannte Panzerstraße ein. Ein ziemlich großes Schild über die breite Straße ermahnt in verschiedenen Sprachen LKWs vorsichtig zu sein und lieber einen Gang runter zu schalten. Wir befinden uns ungefähr bei KM 8 oder 9 und steuern auf den zweiten Verpflegungspunkt mit Wasser zu.

Laut Profil geht es wenig spektakulär über die nächsten 5 KM etwas hügelig weiter. So unspektakulär ist das aber nicht. Es wird zum einen über einige KM wieder sandig. Jetzt verlässt mich etwas mein Gedächtnis aber ich meine es sei nicht ganz so schlimm wie beim ersten Abschnitt, dafür aber deutlich länger. Und zum anderen ist das “etwas hügelig” für Flachlandtiroler wie mich auch nicht ohne.

Stapelager Schlucht

Insgesamt gesehen geht es von der Panzerstraße bis zur Stapelager Schlucht, wo sich auch der dritte Verpflegungspunkt befindet, stetig bergauf. Auch wenn immer wieder Bergabpassagen dabei sind. Von der Panzerstraße bis zum Ende der Schlucht ist man sehr gut beraten so viel Energie wie nur möglich zu sparen. Denn man nähert sich der zweiten harten Steigung, dem Tönsberg.

Der Verpflegungspunkt kommt ungefähr nach KM 13. Diesmal gibt es nicht nur Wasser sondern auch Obst, Tee und Elektrolyte.

Meine Empfehlung: Zeit nehmen. Bei der Verpflegung ruhig gehen wenn man sich nicht im Laufen verpflegen kann. Unbedingt etwas Obst nehmen. Bis die Energie zur Verfügung steht, vergeht einiges an Zeit. Ist es wärmer als in den Trainingswochen zuvor? Dann auf jeden Fall einen Becher Wasser mehr nehmen.

Der Tönsberg & Oerlinghausen

Wenn du den Tönsberg angehst, denk nicht an die fiese Steigung. Denk an die dahinter liegende Ortschaft Oerlinghausen. Dort erwartet dich eine Stimmung, die dich umhauen wird. Versprochen. Das ist der Oberhammer was die Oerlinghauser dort bieten. Vor allem solltest du dich dort am Verpflegungspunkt bedienen wie du es hoffentlich auch in der Stapelager Schlucht getan hast.

Obacht: Oerlinghausen ist zwar ein geniales Highlight aber aus meiner Sicht nicht einfach zu laufen. Hier geht es nicht nur ziemlich steil bergab, sondern es handelt sich auch noch um ziemlich rüde gelegtes Kopfsteinpflaster. Nicht nur das die Passage ordentlich in die Beine geht weil man wieder ständig bremst. Man muss auch wirklich darauf achten nicht mit dem Fuß irgendwo hängen zu bleiben. Gerade bekam ich von Sebastian Rose noch einen wichtigen Tipp. Rechts halten. Dort verläuft eine Regenrinne in der man wohl besser laufen kann als auf dem Kopfsteinpflaster. Sebastian hat ebenfalls einen Bericht über den Hermannslauf geschrieben, den es sich lohnt zu lesen. Er ist den Hermann schon häufiger gelaufen.

Von den Zuschauern und der genialen Stimmung (mindestens ein Volksfest) wird man in das Schopketal katapultiert. Jetzt nur die Ruhe bewahren.

Das Schopketal

Es liegt bei KM 19 und leider kann ich mich kaum daran erinnern. Ich hoffe, dass später wieder ein Video veröffentlicht wird vom Führungsfahrrad. Die Begleiträder müssen mit ihren Mountainbikes mit der Spitze mithalten bzw. sogar voraus fahren. Ohne Elektroantrieb. Das ist sicherlich kein Zuckerschlecken.

Ab dem Schopketal geht es wieder bergan für ungefähr zwei Kilometer nach Lämmershagen. Da kam mir doch dunkel etwas in Erinnerung. War da nicht immer von Treppen und einer Brücke die Rede?

Die Treppen von Lämmershagen

Auf dem Weg zum „Eisernen Anton“ liegt Lämmershagen. Auch hier solltest du die Steigungen zügig gehen und nicht versuchen zu laufen. Nach wie vor gilt es mit den Kräften zu haushalten. Ein Highlight ist die Autobahnbrücke über die A2. Da lohnt sich ein Blick nach rechts und links.

Wenn man über den Hermannslauf liest, liest man zweifelsfrei auch immer über die Treppen von Lämmershagen. Die sind eigentlich legendär. In meiner Leistungsklasse allerdings sind sie bei weitem nicht so dramatisch wie sie dargestellt werden.

Beim ersten Treppenabschnitt staune ich nicht schlecht. Ich muss sie hoch gehen. Nicht nur weil sowieso Stau ist, sondern weil ich oben ansonsten fertig gewesn wäre. Zu meiner Verwunderung tut die völlig andere Belastung meinen Beinen sehr gut. Nach dem ersten Abschnitt geht es erst einmal wieder

An einer Stelle teilt sich die Strecke. Man wählt entweder rechts den Weg für “Weicheier” oder links den Weg für Hermänner. Der Weg für “Weicheier” (eigentlich Wahnsinn jemanden der den Hermannslauf läuft als Weichei zu bezeichnen) ist ein Anstieg ohne Stufen. Dieser Weg wird auch von der Spitze des Feldes gewählt. Der Weg für Hermänner ist ein Teil der Lämmershagener Treppen. Ich fühle mich als echter Teutone, habe kein Zeitstress und wähle daher die Treppen. Die hübsche junge Dame direkt hinter mir hat damit auch nichts zu tun… ich schwöre…

Der Eiserne Anton

Mein Gehirn scheint inzwischen Blutleer zu sein. Plötzlich stand ich vor einem riesigen Sendemasten und ich fragt mich, ob das wohl ein markanter Punkt sein könnte. Nachdem ich so einen weiteren Kilometer hin- und herüberlegte, kam ich auf die Idee. Das ist also mit “Eiserner Anton” gemeint. Ein riesiger Sendemast. Ich hatte irgendwie eine epische, kriegerische, teutonische Statue im Style von Arminius erwartet und komme an einem Sendemast an.

Plötzlich merke ich ein Zucken kurz über den linken Knie an der Innenseite. Ach du scheisse… da will ein Krampf entstehen. Ein paar Meter weiter muss ich das erste mal anhalten und meinen Oberschenkel dehnen. Zum Glück kann ich schon ein Verpflegungspunkt sehen und gehe leicht humpelnd rüber. Da war der Punkt erreicht, wo mir die Zeit so scheissegal wie noch nie in meinem Leben war.

Der Verpflegungspunkt ist sehr gut bestückt. Ich beschließe jetzt mich erst einmal frisch zu machen bevor ich wieder loslaufe. Frisch machen heißt vor allem, dass ich ordentlich Flüssigkeit und auch Obst in mich hineinstopfe. Ich sammle Cola, Tee, Wasser, Banane und Apfel ein. Ja das geht… Anschließend entsorge ich meine ohnehin schon ausgedienten Armlinge und freue mich danach neue kaufen zu dürfen. Das hatte ich sowieso vor.

Als ich mich gehend in Bewegung setze, ziehe ich mir noch genüsslich mein letztes Gel rein um den Motor zu starten. Ich dachte… jetzt nur nicht kotzen. Was zum Glück auch nicht passierte. Der Motor sprang an und ich konnte weiterlaufen. Bis zur nächsten Steigung ungefähr bei KM 26/27.

Die letzte Steigung und das Ziel

Es sind nur noch vier Kilometer bis ins Ziel. Jetzt kommt noch eine letzte Steigung und danach geht es bergab durch den Wald, später über die Promenade zur Sparrenburg ins Ziel. Meine Probleme mit den Krämpfen sind allerdings nicht weniger geworden. Insbesondere bergab (ausgerechnet!) macht mir Schwierigkeiten. Ich bleibe noch zwei mal stehen um zu dehnen.

1,5 KM vor dem Ziel muss ich das letzte mal anhalten und dehnen. Ein junger Mann steht am Straßenrand, guckt mich an und sagt: “Komm schon, das schaffst du noch. Ist nur noch 1 KM. Du hast super durchgehalten.” – In seinem Alter habe ich darüber nachgedacht ob Läufer wohl nur kein Geld zum saufen haben und sich deshalb so etwas antun. Ich wäre nie auf die Idee gekommen bei so einem Event am Rand zu stehen und andere anzufeuern. Von daher: DANKE!

Der Zieleinlauf an der Sparrenburg jagte mir aus diversen Gründen wirklich eine Gänsehaut über den Rücken. Mir wurde schlagartig kalt. Die Stimmung: Hammer. Die Erkenntnis über 31 KM gelaufen zu sein: Grandios. Das stille Versprechen im Ziel: Hermann. Das machst du nicht noch einmal mit mir. Ich komme wieder. Ich habe das Gefühl, dass der Hermannslauf der erste “richtige” Lauf in meinem Leben gewesen ist.


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War ein Lauf nicht dein Freund, so war er dein Lehrer

Der Hermannslauf war bisher mein härtester Lauf. Er war aber auch gleichzeitig der spektakulärste Lauf. Sorry Berlin, ich liebe dich aber da kannst du nicht mithalten! Ich habe so viel bei diesem Lauf gelernt. Unter anderem wie wichtig eine Taktik ist. Was man alles besser machen kann und was die Höhenmeter wirklich bedeuten.

Ich habe Stärken und Schwächen an mir erkannt an denen ich arbeiten kann. Das genialste aber waren die ganzen Menschen. Fantastische Helfer, ein geniales Publikum und die Läufer die sich immer wieder gegenseitig motiviert oder auch unterwegs noch Tipps gegeben haben. Die Ostwestfalen halten mit allen anderen zusammen um es den Hermann so richtig zu zeigen. Entgegen dem Sprichwort bin ich mir sicher, dass der Hermannslauf mein Freund UND Lehrer war.

“Arminius… du Held. Warte nur. Ich komme wieder.”

Meine Tipps für das erste Mal

Ich bin ihn ja selber nur einmal gelaufen. Aber trotzdem hätte ich ein paar Tipps wenn es darum geht einfach nur anzukommen. Also ohne Zielzeit.

  1. Die harten Steigungen (davon gibt es einige) nicht laufen sondern konsequent gehen. Das spart Energie.
  2. Laufen nach dem Motto: Ein Teutone muss im Ziel noch kämpfen können! Also mit den Kräften gut haushalten. Der “Eiserne Anton” ist nicht ohne.
  3. Jede Verpflegungsstation ausgiebig ausnutzen. Im Zweifelsfall auch dort gehen. Es ist wichtiger genug Flüssigkeit aufzunehmen.
  4. Wenn es schönes Wetter gibt, evtl. einen Trinkgürtel mitnehmen.
  5. Unterwegs auf Gels zurückgreifen. Wenn du das noch nie gemacht hast, unbedingt vorher testen.
  6. Downhills: Die Marathonschnürung anwenden. Zwei Tage vor dem Lauf die Zehennägel so kurz wie möglich schneiden.
  7. In Oerlinghausen in der Rinne laufen (Danke Sebastian Rose)
  8. Vor dem großen Ehberg links halten und den schmaleren Pfad wählen. Dort geht es zwar langsamer voran, aber es wird nicht so viel Energie geschluckt wie durch den Sand zu laufen.
  9. Grundsätzlich empfehle ich ansonsten so weit rechts wie möglich zu halten.
  10. Wenn man nicht überholen kann  Ruhe bewahren, dankbar sein und freundlich bleiben
  11. Rechts und links gucken und die Gegend genießen

Mit dem ersten Hermannslauf hat man automatisch eine Rechnung offen. Aber grundsätzlich ist man als Finisher mindestens ein teutonischer Held. Egal woher man kommt. Ich habe wohl noch nie einen so langen Blogbeitrag über einen Lauf geschrieben. Das soll wohl einiges bedeuten. Zum Schluß gibt es noch ein Video von Frank Schumann, der auf dem Hermannslauf seine Kamera mitgenommen hat.

In diesem Sinne
Lauft den Hermann!

46. Hermannslauf 2017

46. Hermannslauf 2017
92.5

Startgebühr

9/10

    Strecke

    10/10

      Stimmung

      10/10

        Organisation

        9/10

          Pros

          • Geniale Strecke
          • Tolle Stimmung
          • Gute Verpflegung
          • Man erlangt automatisch Heldenstatus

          Cons

          • Zielbereich nicht ganz optimal

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          comments

          8 Gedanken zu „46. Hermannslauf – Ein Teutone muss im Ziel noch kämpfen können!

          1. Thomas Müller Antworten

            Klasse Bericht Sascha, den werde ich mir nochmal zu Gemüte führen, wenn ich irgendwann auch mal versuchen sollte den Hermann zu bezwingen 😉

          2. Sebastian Antworten

            Ich finde es sehr spannend, wie Du als Debütant den Hermann erlebt hast. Aber auch nach sechs Teilnahmen bin ich immer wieder begeistert, wie viel in den 31 Kilometern steckt. So wahnsinnig viele verschiedene Untergründe, die Treppen, die Gabelung, das stetige Auf und Ab und der ewige lange Endspurt auf der Promenade.

            Wahrscheinlich ist es wirklich am besten, bei der ersten Teilnahme einfach nur locker durchzujoggen, um sich mit der Strecke vertraut zu machen. Aber auch dann kann man nicht alles planen. Ich bin dieses Jahr wie immer auf dem weg zum Ehberg links gelaufen. Aber zum ersten Mal kam es dort zu Staus, die Zeit gekostet haben. Oder letztes Jahr, als es in Oerlinghausen auf einmal Schneeregen gab und das Kopfsteinpflaster glatt wurde.

            Du hattest mich ja noch nach Tipps gefragt. Zwei habe ich noch. Auf den ersten Kilometern, die es nur bergab geht, kann man sich ein schönes Zeitpolster rauslaufen. Bei Dir in Block C war sicherlich zu viel los. Vorne in Block B oder in Block A ist auch viel los, aber man kann und sollte es laufen lassen. 🙂

            Und wegen des Bustransfers zum Hermann: Früher hielten die Busse direkt vor der Schule, da war alles etwas stressiger. Seit 2015 oder 2016 machen sie es wie dieses Jahr. Deswegen muss man auch nicht so früh los und frieren. Für mich hat sich eine Abfahrt gegen 9:15 bewährt.

            • Sascha Möller Autor des BeitragesAntworten

              Genau so werde ich es auch tun beim nächsten Mal. Wobei ich die Idee mit der Läuferlounge auch ganz nett finde wenn man nicht gerade alleine unterwegs ist. 🙂
              Ja in C war schon ganz schön viel los. Viele haben im Vorfeld immer gesagt, man soll sich nicht hinreißen lassen zu schnell runter zu laufen. Ganz ehrlich… ich würde trotzdem auch probieren wenn ich nochmal laufen würde. Vielleicht wäre bergab und geradeaus Gas geben angesagt und die Steigungen dafür schnell gehend? Laufen werde ich den auf jeden Fall noch einmal. Zumindest stückchenweise im Training. 😉

              • Sebastian Antworten

                Es gibt oben am Parkplatz auch noch dieses kleine Café, das immer geöffnet hat und erstaunlicherweise selten überfüllt ist. Da habe ich auch schon mal die Zeit bis zum Start bei einem Kaffee verbracht. 🙂

                Ich sehe jetzt keinen Grund, die ersten Kilometer nicht schnell anzugehen. Aber nachdem ich jetzt das Video gesehen habe, das Du verlinkt hast, ist klar: Keine Chance in Block C. Wenn man weiter vorne startet, kann man da richtig Gas geben.

          3. Marc Antworten

            Wow, was für ein klasse Bericht, Sascha. Ich hatte das Gefühl, als sei ich hinter Dir hergelaufen.

            Ich laufe erst seit drei Jahren und doch fasziniert mich der Hermann seit jeher. Und als Ostwestfale im Rheinland ist es eigentlich eine Pflichtveranstaltung für mich, endlich einmal dabei zu sein. Mal schauen, was 2018 so bringt 🙂

            • Sascha Möller Autor des BeitragesAntworten

              Hallo Marc! Vielen Dank für die Rückmeldung. 🙂 Ich selbst laufe auch noch nicht so lange. Habe meine drei Jahre noch nicht voll. Ich kann 2018 leider nicht am Hermann teilnehmen. 🙁 Definitiv möchte ich den aber wieder laufen. Leider einfach geil der Lauf. Ich würde dich darum bitten mich 2018 zu rächen! 😀 Viele Grüße

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