14. Böckstiegellauf in Werther

Da ich letztes Jahr vom Böckstiegellauf so begeistert war, wollte ich auch dieses Jahr wieder mitlaufen. Keine Frage. Diesmal aber nicht im Rahmen des Active Trailrunning-Cups. Am TRC nehme ich dieses Jahr nicht teil, weil die Läufe etwas mit meinem Trainingsplan kollidieren würden.

Es gibt kein schlechtes Wetter…

Das Wetter war zunächst perfekt. Noch auf dem Weg zum Wettkampfbüro freute ich mich über (für mich) geniale Bedinungen. Es waren ca. 17 Grad und ziemlich bewölkt. Perfekt zum Laufen. Ich wurde wieder von meinem besten Kumpel und Cousin begleitet, der vor Ort wohnt. Also ist mir im Ziel eine private Dusche und ein kräftiger Kaffee garantiert. Außerdem musste ich mir um Kleiderbeutel und Co. keine Gedanken machen. Wie komfortabel das ist, kann man sich vorstellen.

Ab 12:00 Uhr starteten die Shuttlebusse direkt vor dem Wettkampfbüro. Es kündigte sich erst einmal leichter Nieselregen an. Leichter Regen stört mich nicht. Ich laufe bei jedem Wetter. Als die Wetterprognose nichts Gutes versprach, entschied ich mich vorher aber schon für ein kurzes, enges Funktionsshirt und einer leichten Laufjacke. Klar, die ist nicht regendicht aber würde zumindest dafür sorgen, dass ich nicht völlig durchweiche. Unten rum war klar, bleibt es kurz. Als “Böckstiegelschuh” habe ich dieses Mal meine Hoka Challenger gewählt. Nun ist die Strecke mit 18 KM nicht besonders lang, aber das Profil ist einfach perfekt für den Böckstiegellauf. Denn es geht zwar viel durch Wald aber ebenso viel auch über Asphalt. Ein reiner Trailschuh könnte besonders zum Ende hin, für meine Füße anstrengend werden.

Auf zum Startbereich

Einen Fehler beging ich direkt am Anfang. Vor dem Wettkampfbüro stand jemand mit einem Megaphon und bat darum, vor allem auch die ersten Busse zu belegen und nicht auf den letzten zu warten. Klar, es muss ja auch irgendwie voran gehen. Ziemlich verhalten stiegen die Läufer ein. Mit guten Beispiel voran, dachte ich mir, und stieg in den ersten Bus ein. Nicht ganz gefüllt, fuhr der dann auch los zum Startpunkt “Peter aufm Berge”. Ich habe nicht auf die Uhr geguckt aber ich meine die Fahrt dauerte ca. 20 Minuten. Wie auch beim Hermannslauf klappt auch hier die Organsiation mit der Fahrt sensationell gut. Die OWLer können das einfach. Da kann man nicht meckern.

Als wir zum Startbereich kamen, goß es aus Eimern vom Himmel. Großartig. Ein Blick auf die Uhr verriet mir, dass wir dieses Wetter bis zum Start für mindestens 1,5 Stunden aushalten müssen. Glücklich wer ein Regenponcho oder Müllsack dabei hatte. Ich natürlich nicht. Ich verzog mich unter einem Baum, was letztendlich nicht viel brachte. Außer, dass die Tropfen die mich trafen dicker waren. Nach einer Stunde war ich so ausgekühlt, dass ich freiwillig anfing mich warmzulaufen bzw. zu gehen.

Ordentlich ausgekühlt, nass (eher bereits durchweicht) bis auf die Haut und trotzdem irgendwie fröhlich ging es dann endlich auf die Reise. Rein in den Teutoburger Wald in dem es sich dann auch erst einmal ordentlich staute. Vor allem musste man nun ganz genau hinschauen, welchen Weg man nimmt. Durch das Wetter war der Boden eine einzige Schlammpfütze. Es hat Spaß gemacht durch den Matsch zu suhlen und viele neue, ostwestfälische Flüche zu lernen. Damit wurde nicht gespart aber es wahr immer ein Augenzwinkern dabei. Schadenfreude, auch gegen sich selbst gerichtet, ist halt manchmal doch die schönste Freude.

Unerschütterliches Helferteam und Streckenposten

Bereits auf den ersten zwei bis drei Kilometer wurde mir klar, dass ich nicht auf die Uhr gucken muss. Das ist erleichternd. Ständig musste ich hin- und herhüpfen, um nicht in den ganz tiefen Schlamm zu landen. Das gelang dann mal weniger oder garnicht. Ich fühlte mich allerdings auch wieder wie ein kleines Kind und musste jedes Mal schelmisch kichern, wenn ich mal wieder fast bis zum Knöchel im Schlamm versank. Fehltritte gab es fortan viele und das Wetter wurde eher schlechter als besser. Wobei “schlechter” nicht das richtige Wort ist. Es hat ja Spaß gemacht.

Nach der ersten Hauptsteigung befand sich der erste VP. Die Helfer waren trotz Regen sehr gut drauf und wie auch im letzten Jahr sehr nett und motivierend. Inzwischen regnete es weiterhin Katzen und Hunde. Wenigstens war mir längst nicht mehr kalt. Auch die Streckenposten machten jetzt keine Gesichter wie sieben Tage Regenwetter. Sie klatschten und trieben einen weiter in den Teuto hinein. Obwohl das Wetter und der Untergrund mir körperlich ganz schön zu schaffen machte, wollte sich bei mir keine schlechte Laune breit machen. Die Kulissen die der Böckstiegellauf bot, waren wieder herrlich anzusehen. Insbesondere wenn der Nebel aus den bewaldeten Hügeln aufstieg. Wie im Film.

Immer wieder unglaublich, dass trotz des Regenwetters auch an der einen oder anderen Stelle Zuschauer waren, die uns Läufer anfeuerten. Am liebsten hätte ich jeden Einzelnen einmal gefragt: “Warum? Warum steht man bei diesem Wetter am Straßenrand und feuert Menschen an, die so verrückt sind und 18 KM im strömenden Regen durch den Teuto laufen?” Wissen diese Leute eigentlich, wie dankbar wir Läufer dafür sind? Zugegebenermaßen zeigen wir unsere Dankbarkeit nicht immer. Meistens dann wenn wir einfach fertig oder fokussiert sind.

Ab KM 14 stellte sich schließlich der Regen langsam ein und wir waren fast alle aus dem Teutoburger Wald raus. Ich befand mich, wie zu erwarten war, ziemlich weit hinten im Feld. Ich habe mit Downhills ja sowieso meine Schwierigkeiten. Besonders wenn sie nass sind. Wenn sie zusätzlich noch verschlammt und rutschig sind, brauch ich bergab bald genau so lange wie bergauf. Zum Glück geht ungefähr das letzte Drittel ausschließlich über Asphalt.

Vergleich vs. Bewertung

Wie soll ich diesen Lauf bewerten? Er ist weder vergleichbar mit dem letzten Böckstiegellauf, noch wäre es fair aufgrund des Wetters eine negative Kritik zu üben. Das Team war großartig und erledigte unerschütterlich einen tollen Job. Sie waren gut gelaunt und wie immer hilfsbereit. Der Zielbereich war gut organisiert wie beim letzten Mal. Es lag in der Natur der Sache, dass weniger Besucher (und auch Läufer) anwesend waren. Meine Zeit? Einige Sekunden schneller als letztes Jahr. Also wenigstens nicht schlechter. Das ist hier aber auch völlig egal gewesen. Das war “Dirtbagrunning” vom allerfeinsten. 🙂

Nach dem Zieleinlauf bin ich aber auch ziemlich schnell verschwunden. Die heiße Dusche rief nach mir. Und als ich mir die letzten Schlammreste wegspülte dachte ich noch so: “Mal gucken wie es nächstes Jahr so ist!”

 

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